hier alle Reize in verſchwenderiſcher Pracht enthüllte, hauchte ihn zauberiſch an, und weckte in ſeiner empfänglichen Seele ſüße Sympathieen⸗ 5
Der Morgen lächelte ſo freundlich, die Blumen und Wälder dufteten, die Vöglein ſangen, und die Menſchen gingen mit heiteren Geſichtern an die Arbeit. Hier zogen blöckende und brüllende Heerden dahin, dort ſchlüpfte ein Jäger pfeifend in den Wald, auf der breiten Landſtraße knarrte ein ſchwer beladener Laſtwagen, deſſen Fuhrmann ſeine Lebensluſt durch unaufhörliches Klatſchen mit der Peitſche kund gab, und jenſeits wanderte ein Brautpaar, die
Seligkeit der Liebe in den Augen, Arm in Arm nach der
Stadt, die Einkäufe zu der Hochzeit zu beſorgen.
Wahrhaftig! unſer Held hätte nur zwanzig Jahre älter und ſeine Seele dürr und vertrocknet ſein müſſen, wenn ihn nicht dies Alles poetiſch geſtimmt haben würde. Wäre er im Reimen fertig geweſen, ſo hätte der Augenblick ein Gedicht geboren; ſo aber dünkte ihm die ganze Natur ein freundliches Gedicht, und er fühlte ſich gedrungen, mit in den allgemeinen Jubel einzuſtimmen. So ſummte er denn auch ein munteres Liedchen vor ſich hin, während ſeine Blicke entzückt über die reizenden Anſichten der Bergſtraße ſtreiften.
Und Wem wäre dieſe zauberiſche Gegend nicht bekannt? — Wer hätte wenigſtens nicht ſchon einmal von dem Wege
zwiſchen Darmſtadt und Heidelberg und ſeinen Schönheiten
gehört?
Dieſe, ſchon von den Römern angelegte, zu beiden Sei⸗ ten mit welſchen Nußbäumen beſetzte Straße, zieht ſich in ſanfter Anſchwellung ſieben Meilen lang durch eine der


