Teil eines Werkes 
2. Band (1822)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Dann gedachte er bei ſich ſelbſt: Was hilft mir nun alle die Herrlichkeit und meine hohe Geburt. Nun bin ich doch elender, als die andern Men⸗ ſchen. Meine Tochter kann mir nichts erſetzen. Ohne ſie ſind auch die Geſaͤnge nichts, als leere Worte und Blendwerk. Sie war der Zauber, der ihnen Leben und Freude, Macht und Geſtalt gab. Wollt' ich doch lieber, ich waͤre der geringſte meiner Diener, dann haͤtte ich meine Tochter noch; auch wohl einen Eidam dazu und Enkel, die mir auf den Knien ſäßen: dann wäͤre ich ein anderer Koͤnig, als jetzt. Es iſt nicht die Krone und das Reich, was einen Koͤnig macht; es iſt jenes volle, uberfließende Gefuͤhl der Gluͤckſeligkeit, der Sät⸗ tigung mit irdiſchen Guͤtern, jenes Gefuͤhl der überſchwenglichen Genuͤge. So werd' ich nun fuͤr meinen Uebermuth beſtraft. Der Verluſt meiner Gattin hat mich noch nicht genug erſchuͤttert; nun hab' ich auch ein grenzenloſes Elend. So klagte der König in den Stunden der heißeſten Sehn⸗ ſucht. Zuweilen brach auch ſeine alte Strenge und ſein Stolz wieder hervor. Er zuͤrnte uͤber ſeine Klagen; wie ein Koͤnig wollte er dulden und ſchweigen. Er meinte dann, er leide mehr als alle Andern, und gehoͤre ein großer Schmerz zum Koͤnigthum; aber wenn es dann dämmerte und er in die Zimmer ſeiner Tochter trat, und ſah