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täuſchte ich mich wieder. Ich ſah, daß das Schlach⸗ tenfeuer, dem meine Kameraden ſo oft unerſchrok⸗ ken trotzten, doch die Schlacken ihres Gemüthes nicht reinigte, Neid und Selbſtſucht herrſchten hier nicht minder als in der Geſellſchaft; ſelbſt im Tode des Vordermannes ſah der Hintermann nichts an⸗ deres, als ein offenes Avancement, und wenn am Abend nach der Schlacht wir unſern Verluſt zähl⸗ ten, wurde in demſelben Augenblicke, wo unſerer Kameraden erwähnt wurde, deren Leichen noch nicht erkaltet waren, nur auf die Aenderung Rückſicht genommen, die ihr Tod in der Armeeliſte hervor⸗ bringen werde; die tägliche Gefahr vermehrte nur den Leichtſinn und die Genußſucht. Eine tiefe Menſchenverachtung ergriff nun meine Seele, mich eckelte die ewige Lüge, die mich umgab, ich hatte den Glauben an die Menſchheit verloren, ich ſah nicht ein, daß es der Mühe werth ſein könne, zu leben, ich war müde und überdrüſſig meines Le⸗ bens, ich wünſchte mir den Tod; doch vergebens ſuchte ich ihn im Schlachtgetümmel, die Kugeln ſchienen mir auszuweichen, ich avancirte raſch, mein Name ward in den Bulletin's erwähnt, Orden


