254 uns heute zum erſtenmale, wir haben uns nie in der Welt begegnet, wie können Sie uns das Le⸗ ben verdanken?“
„Ich ſcherze nicht,“ bemerkte der Offizier ernſt und ſetzte ſich;— die Gefangenen ſahen einander erſtaunt an.
„Dürfen wir Sie wohl darum bitten, uns dies Räthſel zu löſen,“ ſagte jetzt Kazinczy,„denn Ihre Worte ſind uns ganz unerklärlich.“
„Es iſt jetzt halb vier Uhr,“ ſagte der Offi⸗ zier,„wenn Sie nicht müde ſind und es Sie in⸗ tereſſirt, ſo kann ich Ihnen ſehr leicht das Räthſel löſen; doch Sie bedürfen der Ruhe und um ſechs Uhr fahren Sie fort.“
Die Gefangenen ſetzten ſich zu ihm an den Tiſch und verſicherten, daß ſeine Erzählung jedenfalls angenehmer für ſie ſei als der Schlaf, und der Offizier begann:
„Mein Leben war bis zu dieſer Stunde nichts als eine Reihe von Täuſchungen. Seit meiner Kindheit habe ich nichts ſo gehaßt wie die Lüge und Falſchheit. Ich habe nie etwas anderes von der Welt verlangt als Wahrheit,— ſie ward mir


