Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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245 ihm hätte ſein ſollen, ein treu ausharrendes, dul⸗ dendes, mittragendes Weib, ſo würde ich ohne Zwei⸗ fel auch dieſe Schwäche des beklagenswerthen Man⸗ nes mit andern Blicken betrachtet haben; ich würde ſie angeſehen haben als das, was ſie war, eine Krankheit, und auch nach Mitteln ſie zu heilen würde ich in dem Schatz meiner Liebe nicht vergeblich geſucht haben. So dagegen, bei der unſeligen Ver⸗ ſtimmung, die ſich meiner einmal bemächtigt hatte, ſah ich auch hierin nur eine Schuld, ja ein Verge⸗ hen meines armen Mannes. So beſchränkt meine Verhältniſſe auch von früh auf den größten Theil meines Lebens hindurch geweſen, ſo war von dem fanatiſchen Ordnungsſinn des Herrn Nonnemann doch wenigſtens ſopiel in mich übergegangen, daß ökonomiſche Verlegenheiter und Unklarheiten mich ganz außerordentlich beängſtigten. Hent nicht zu wiſſen, wovon wir morgen leben ſollten, das war ein Gedanke, vollkommen hinreichend, mir auch den heu⸗ tigen Tag, ja überhaupt das ganze Leben zu ver⸗ bittern. Hatte ich doch ſo ſchon der Freuden wenig; wenn die täglichen inneren Martern nun auch noch mit äußerer Noth und Sorge erkauft wer⸗ den ſollten, ſo wurde mir der Preis in der That zu theuer.— Rudolph hatte ganz die entgegengeſetzten