Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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Du kannſt ſie ausreißen und in Waſſer ſetzen, aber es iſt doch nur ein Scheinleben, das ſie führen und der Tod ereilt ſie nur um ſo ſchneller und in ſo unſchönerer Geſtalt. Auch uns Künſtlerinnen ver⸗ giebt man wohl einige Zeit, daß wir den natürlichen Boden des Weibes, den Boden der Familie und der häuslichen Sitte verlaſſen haben— merke auf meine Worte: man vergiebt es uns wohl, aber man vergißt es uns nicht. Die Künſtlerin braucht Leidenſchaft, ſie braucht Abwechſelung, Veränderung, Aufregung, ihre Sinne müſſen geglüht und ge⸗ tobt, ihr Herz muß vor Wonne gejauchzt und vor Verzweiflung gejammiert haben, wenn ſie wahr⸗ haft im Stande ſein ſoll, den ſpröden Marmor des Kunſtwerks zu beleben und jene Welt der Leiden⸗ ſchaften, die der Dichter in ſeine Schöpfung hinein⸗ gebannt hat wie in einen Zauberberg, der blöhen Menge in leibhafter Geſtalt vor Augen zu führen. Was wird da aus dem Weibe? Wer kann fortwäh⸗ rend mit einer Flamme ſpielen, ohne ſich ſelbſt daran zu verbrennen? und was wäre das für eine Kunſt, die überhaupt nur ſpielen wollte? Zorn, Neid, Eiferſucht, die Gluth des Haſſes und der trunkene Wahnſinn der Liebe, das erſte ſchüchterne Verlangen und der Uebermuth des geſättigten Glücks— woher