Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

209

er durch Sentimentalität ſein Glückzu machen glaubt aber ſchwach! ſchwach!! ſchwach wie ein Weib!! Allein wiſſen Sie, fuhr ſie nach einer kleinen Pauſe wieder auf,was das Entſetzlichſte bei der ganzen einfältigen Geſchichte?! Daß ich noch weit ſchwächer bin als Waldemar daß ich ihn liebe! liebe o, zum Wahnſinn liebe!!

Sie blieb wie eine Säule in der Stube ſtehen, warf den claſſiſch geformten Kopf hinten über und wühlte mit beiden Händen krampfhaft in den weichen goldenen Locken, während ſich der fieberiſch zuckenden Bruſt ein leiſes wimmerndes Stöhnen entwand.

Es bedurfte einige Zeit, bevor ſie ihre Faſſung wieder gewann. Dann ihren Arm um mich ſchlin⸗ gend und das ſchöne Antlitz, wie ermüdet, auf meine Schulter neigend, ſagte ſie zärtlich:

Wiſſen Sie, mein Kind, was Liebe iſt? Haben Sie ſchon gekoſtet von dieſem ſüßen, ach ſo ſüßen und verderblichen Gift?!

Ich erröthete bis unter die Augen, ſie gewahrte es mit Lächeln.

Nein, nein, ſagte ſie,ich ſehe ſchon, das iſt das rechte Erröthen noch nicht, Sie haben noch nicht geliebt armes Kind! ſo wird alſo Ihre Stunde noch erſt kommen! O ganz gewiß, ſie wird kommen! 1856. M. Helene. I. 14