Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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ſo wird man es ja wohl verzeihlich finden, daß, indem ich in mein Ankleidezimmer trat, um noch raſch etwas an meiner Toilette in Ordnung zu bringen, ich einen heimlichen Blick durch die Thürſpalte warf. Er fiel gerade auf die Fremde, die ſich auf das Ruhebett, der Thür gegenüber, geworfen hatte. Es war eine hohe üppige Geſtalt in einem einfachen ſchwarzſam⸗ metenen Kleide; die weißen Arme und Schultern, die ſie entblößt trug, ſtachen blendend ab gegen das dunkle Gewand. Den Kopf hatte ſie auf die Hand geſtützt, als ob ſie über etwas tief nachdächte. Doch war das Haupt dabei keck hinten über geworfen und das große feurige Auge blickte frei vor ſich hin. Welch ein Auge! welch ein Glanz darin! In dem ganzen Kopf welch ein Adel! Welche Fülle goldener Locken um die hohe ſtolze Stirn! Um den ſchwellen⸗ den Mund ſpielte ein leiſes halb verächtliches Lächeln, während der kleine fein beſchuhte Fuß in unruhigem Takt auf⸗ und niederklappte, als ob irgend etwas ihre Ungeduld rege machte oder ſie irgend einen ſtillen Verdruß niederzukämpfen hätte.

Ich ſchaute und ſchaute und konnte nicht ſatt werden zu ſchauen. Wie war mir doch? Hatte ich dies Geſicht nicht ſchon irgendwo geſehen? Ich konnte es nur halb erkennen, auch ſaß die Dame