Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

57

da ſagſt? Und daß es baſſelbe iſt, um was ich das Schickſal befragt in jener Nacht, da Ihr Alle dach⸗ tet, ich würde ſterben, und ich— ich dachte, ja ich wünſchte es auch?!“

Meine Thränen floſſen unaufhaltſam, ich konnte nichts erwiedern als immer nur das eine klagende, beſchwörende:

„Du ſollſt, Du darfſt nicht ſterben, Hermann!“

Hermann, die Augen noch immer feſt auf mich gerichtet und noch immer mit demſelben Ausbruck leuchtender Frende, lehnte ſich in ſeinen Seſſel zu⸗ rück. Erſt einen Augenblick die Arme übereinander kreuzend, dann ſie behaglich dehnend:

„Ich werde mich ſchön hüten,“ ſagte er, zu ſterben: jetzt nicht mehr, Helene, jetzt nicht mehr, auf mein Wort! Aber erzählen muß ich Dir doch, wie es war in jener Nacht, und um was ich das Schick⸗ ſal befragte und welche Antwort es mir gegeben. Erinnerſt Du Dich noch? Es war nach jenem Abend, wo der Arzt noch ganz ſpät zum zweiten Male wie⸗ derkehrte und die alte Dörte noch einmal mitten in der Nacht in die Apotheke geſchickt wurde. Ihr hattet wohl alle nicht viel Hoffnung mehr, ich meine,“ ſetzte er hinzu, indem er ſich Mühe gab, leicht über den Gegenſtand hinzuſchlüpfen, aber an dem Zittern