Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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56 innigſten Mitgefühl hingeriſſen. Ich ſchlang meine Arme um ſeinen Nacken, lehnte meine Wange an die ſeine und ſo, indem unſere Thränen in einander⸗ floſſen, rief ich: „Nein, nein, Du ſollſt leben, Hermann! Du mißt leben! Ohne Dich, Hermann, will ich auch nicht mehr leben!“ Eine ſtrahlende Freude ging über Hermann's Angeſicht; mit leiſem Sträuben ſich aus meiner Umarmung losmachend, ſchob er mich ſanft zurück und mich betrachtend mit Blicken, ſo tief, ſo innig und v Gott ſo treu, als läge ſeine ganze Seele darin

eingeſchloſſen:

„Ah,“ ſagte er,„alſo doch! Alſo hat meine innere Stimme mir nicht gelogen! Weißt Du auch, Mäd⸗ chen—“(es war das erſte Mal, oder dünkte mich wenigſtens in dem Augenblick das erſte Mal, daß ich mit, Mädchen angeredet ward, und ſo einfach und natürlich dieſe Anrede auch war, ſo fühlte ich mich doch davon wie mit Blut übergoſſen. Aber auch dieſe Schamröthe hatte nichts Peinliches, im Gegen⸗ theil, ſie hatte etwas unendlich Süßes und glich nicht im Mindeſten dem, was ich etwa bei Emil's wilden Späßen empfand)...

„Weißt Du auch, Mädchen,“ rief er,„was Du