Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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verlaſſen hatte, ergriff er meine Hand, und mit der andern mir Stillſchweigen zuwinkend:

„Warum erſt warten,“ rief er,„bis morgen? Iſt der Himmel nicht blau? Scheint die Sonne nicht warm und labend? Komm, ſchnell, reiche mir den Oberrock, Du Gute— ich fühle mich heut ſo kräftig wie morgen.“

Hermann war bisher ein ſehr geduldiger und verſtändiger Patient geweſen; deſto mehr überraſchte mich dieſe Ungeduld. Ich ſtellte ihm mit möglichſtem Altverſtand vor, wie thöricht er handle, wolle er noch

jetzt, zu guterletzt, da ſein Gefängniß ſchon halb ge⸗

öffnet ſei, durch einen erſten Ungehorſam möglicher Weiſe den ganzen glücklichen Erfolg ſeiner bisherigen Geduld aufs Spiel ſetzen.

Er hörte mir einige Augenblicke lächelnd zu, wie ich mit Eifer demonſtrirte.

„Gut denn,“ ſagte er,„kleine Lehrmeiſterin, ſo wollen wir warten bis morgen. Aber damit Du mich nicht für thörichter hältſt, als ich bin— weißt Du auch wohl, warum ich ſo ungeduldig, ins Freie zu kommen 2“

Ich meinte, daß es nach einer ſo langen Stu⸗ benhaft allerdings ein ſehr natürlicher Wunſch ſei, endlich wieder die freie Luft zu athmen.

„Auch wirſt Du wohl ſehen wollen,“ ſetzte ich