denn nicht blos deshalb, weil ſie ſich von mir ver⸗ nachläſſigt glaubte? War ihr Herz nicht blos des⸗ wegen kälter gegen mich geworden, weil ſie meine Zärtlichkeit minder warm, meine Liebkoſungen min⸗ der häufig und vertraulich fand?
Auf denn, ſei muthig, Helene! wage einen letz⸗ ten Sturm auf dies alte verſchloſſene und doch ſo weiche, ſo liebevolle Herz! Die Nacht iſt ſtill, Alles im Hauſe ſchläft— was zauderſt Du? Es iſt der⸗ ſelbe Weg, den Du als kleines nacktbeiniges Kind unzählige Male gegangen, ebenfalls heimlich und ebenfalls bei Nacht; der Mond ſcheint wie damals, wie damals wird die alte Dörte in ihrer Ofenecke ſitzen und nicken und wenn ſie Dich auf der Diele kniſtern hört, wird ſie auffahren und Dir die Thüre öffnen und wird Dich in ihre Arme ſchließen und Alles wird wieder gut ſein——
Und auch der letzte Schleier wird fallen; hat ſie es mir nicht verſprochen? Bin ich jetzt nicht groß, ſo groß, daß Tante Fränzchen alle Tage ſeufzt, weil mir kein Kleid mehr paſſen will? Und iſt es nicht blos noch zum Spott, wenn Emil mich noch„kleine Dame“ nennt?
WMan weiß, wie es mit ſolchen Gedanken geht, die, an ſich höchſt abenteuerlich, eben wegen ihrer


