12
cherlich als bedeutſam; wenigſtens antwortete er mir ſo⸗ gleich wieder mit einem ſeiner gewöhnlichen Scherze. Sich langſam erhebend, mit affectirter Sorgſamkeit das Gras aus den Haaren ſtreichend, ſeine kleine zierliche Geſtalt in ſich ſelbſt zuſammen ſchmiegend, wie eine Katze, die auf Raub ausgeht, ſchlich er in einem weiten Halbkreis um mich her.
„Kleine Dame,“ ſagte er— denn auch dieſe Anrede meines dahin geſchiedenen alten Freundes kannte der Böſewicht und entblödete ſich nicht, ſie gelegentlich nachzuäffen..
„Kleine Dame, ich glaube wirklich, Du biſt die klügſte von uns Allen im Hauſe— gieb mir Unter⸗ richt!“ rief er, plötzlich auf mich zuſpringend.„Hörſt Du? Unterricht, kleine Dame! und jede Lection will ich Dir bezahlen— mit einem Kuſſe!“ ſetzte er flüſternd hinzu, indem er auf einmal wieder ſtillſtand und die Augen auf den Boden heftete.
„Flauſenmacher,“ erwiederte ich unbefangen, „das würde ſich auch der Mühe lohnen! Wenn Du wirklich Lectionen nehmen willſt, ſo nimm ſie doch ja bei Hermann, der iſt jetzt weiter im Engliſchen und ſpricht ein beſſeres Franzöſiſch als ich; willſt Du aber einen Kuß von mir haben, den kannſt Du auch ſo bekommen—“


