Gutes und Böſes grenzen, und wie leicht, in Folge vielfacher Täuſchungen, die reinſte Men⸗ ſchenliebe umſchlägt in den bitterſten Menſchen⸗ häß
Der Redner(denn ſo, bei dem faſt theolo⸗ giſchen Pathos, zu dem er ſich allmälig erhoben hatte, mußte man ihn in Wahrheit nennen) ſchien hier mit Gewißheit auf eine Antwort ſeines Zuhörers zu rechnen. Da dieſer jedoch nur unabläſſig, mit geſpreizten Fingern, die Handfläche auf dem faſt nackten Schenkel im Kreiſe reibend, in ſeinem Stillſchweigen beharrte, ſo fuhr der Andere fort:
Ja, ich bekenne mich ſchuldig! Die knech⸗ tiſche Unterwürfigkeit, mit welcher das Volk ſein Elend erträgt— erträgt, ohne auch nur zu ahnen, was es erträgt!— hatten mein Herz verhärtet; ich fing an, ein Geſchlecht zu verab⸗
ſcheuen, welches, ſtumpfſinniger als das Thier,
nicht einmal ſo viel Muth hat oder ſo viel Ein⸗


