Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Wechſel aufbewahrt hatte, an Mathilde Mohren⸗ haupt ab.

Jeder Menſch kommt einmal in eine Lage, in wel⸗ cher er ſich noch nie befunden hat, und worin er ſich trotzdem nicht um ein Haar anders benimmt, als Tau⸗ ſende vor ihm ſich in gleicher Lage benommen haben, ohne daß es ihm Jemand geſagt oder gelehrt hätte. So Mathilde, als ſie Druck's Brief empfing: Sie er⸗ röthete über und über, als ſie ihn las; ſie las ihn im⸗ mer wieder von Neuem, und verbarg ihn inihrem Bu⸗ ſen. Sie vermied an dieſem Tage ängſtlich das Fenſter und verbrachte hierauf eine ſchlafloſe Nacht. Das einfachſte, durchſichtigſte Frauengemüth wird zu einem gordiſchen Knoten, ſobald es ſich der Liebe er⸗ ſchließt, und wer da glaubt, daß Mathilde am nächſten Tage nichts Eiligeres zu thun hatte, als zur Feder zu greifen und den verliebten Nachbar durch Erhörung zu beglücken, der kennt die Mädchen ſchlecht! Schon geſtern, als ſie den Brief zum erſten Male las, ſchwirrte ihr ein kleinesAber durch die Sinne. Es war ein unklarer Widerſpruch, über den ſie ſich ſelbſt nicht Rechenſchaft zu geben vermochte. An die Möglich⸗ keit, daß ein Mann ſie nur des irdiſchen Reichthums wegen zur Frau begehren könne, dachte ſie nicht, denn ſie war ſich dieſes Vorzuges, den ſie ſchon in der Wiege