Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Weſen. Schlang und feurig wie die Gazelle des Tropen⸗ landes durchflog die junge Ruſſin den Gouverneurspalaſt. Jugendmuth und Luſt am ſteten Schaffen und Ordnen prägte ſich in allen ihren Bewegungen aus; dennoch ſtrich zuweilen auf der reinen Stirne der achtzehnjährigen Jungfrau ein Zug ſtillen Grames, ein Zeichen heimli⸗ cher Trauer vorüber. Theodora ſchien ſich in ſolchen Augenblicken an das zu erinnern, was ihr Frau Eudoria, ihre ſtolze Tante, oft unwillkürlich fühlen ließ: daß näm⸗ lich Theodora als elternloſe Waiſe ihres im Türkenkriege bei Bender als Major gefallenen Vaters, hilf⸗ und mit⸗ tellos in des Oberſten Haus, und mit ihm nach Kaſan kam, wo ſie jetzt zwar als Nichte deſſelben einen elter⸗ lichen Herd, einen neuen Vater, eine neue Mutter, in letzterer aber aucheine Herrſcherin fand, die ſie gar häufig fühlen ließ, daß Theodora ihre Dienerin ſei, und dies beſonders dann nicht vergeſſen dürfe, wenn die fünf⸗ undvierzigjährige ſtolze Oberſtin mit dem koſtbarſten Zobelpelze auf dem blendenden Nacken im großen Cour⸗ ſaale des Palaſtes aus dem Kreiſe der edlen jungen Beſatzung Kaſans mehr Blicke auf ſich ziehen wollte, als die achtzehnjährige blühende Theodora wirklich auf ſich zog.

In ſolchen Augenblicken eines vorübergehenden ſchmerzlichen Gefühles fühlte Theodora ihre ganze Ab⸗

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