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Oberſt von Brand, ein Mann von hohem Wuchſe, mit einem altruſſiſchen Vollbarte und ein Dutzend Ehren⸗ narben im Geſichte, und dem St. Andreas Orden auf der ſtarken Bruſt, war der Soldat mit Leib und Seele, der Degen war ſein Gott und die Ehre ſeiner Kaiſerin ſeine Parole. Anders war es mit ſeiner„Hausehre“ der Fall. Frau Eudoxia von Brand, dieſe Hausehre, führte im Hauſe auch das Regiment; ſie führte es mit Stolz und Kraft und großer Eitelkeit, denn Frau von Brand hatte längere Zeit am Hofe der Czarin zugebracht, was Wunder, daß ſie jetzt an ihrem eigenen kleinen Hofe der nordiſchen Semiramis nachäffen wollte. Zwar trug Frau Eudoxia auf ihrem ſtolzen Nacken ſchon mehr als vier Kreuze, aber ſelbſt als Vierzigerin war ſie noch ſchön zu nennen; das wußte die Gouverneursfrau von Kaſan; die Schmeichelei that das Uebrige, und ſo kam es, daß die„kleine Czarin von Kaſan“ gerne eben denſelben Weihrauch am Ufer der Kaſanka ſchlürfte, welcher der „großen Czarin am Ufer der Newa“ ſo vielfach geſtreut wurde.
Die Selbſtherrſcherin zu Kaſan, Frau von Brand, hatte daher auch ihre Günſtlinge, wie Frau Katharina, die Selbſtherrſcherin zu St. Petersburg; je jünger und ſchöner, je ritterlicher und feiner ein ſolcher Günſtling war, deſto näher wohnte er der von den Sloboden oder


