3—
229
Leichenbläſſe bedeckte das Antlitz Ghiraldinen's.— Sie ſprach kein Wort, aber zwei große Perlen, welche allmälig aus ihren ſchönen Augen traten, kündeten die tiefe Wunde, welche die Worte des Oberſten in ihrem jungen, argloſen Herzen aufgeriſſen hatten.
„Kaiſer Napoleon,“ fuhr jetzt der Oberſt mit ſelt⸗ ſamer kalter Ruhe fort,„Kaiſer Napoleon entwarf be⸗ reits vor einem Jahre das Projekt ſeinen Stiefſohn mit der Prinzeſſin eines alten Herrſchergeſchlechtes in Eu⸗ ropa zu verbinden, da die Königin von Neapel den großen Fehler beging, eine ſo ehrende Verbindung zwi⸗ ſchen einer ihrer Töchter, der Prinzeſſin Amalie und dem Stiefſohne des Kaiſers mit Ausflüchten zu refuſi⸗ ren, ſo warb der Kaiſer um die Hand einer deutſchen Prinzeſſin für den Prinzen und der Courier iſt bereits auf dem Wege, der von München nach Paris das Ja⸗ wort der königlichen Wittelsbacher zu dieſer Verbindung bringt.“
So berichtete der Oberſt. Ghiraldina's Augen aber flammten jetzt wie Sterne der Nacht; der ganze ſüdländiſche Stolz, der ſich ihrer Schönheit bewußten Jungfrau, ſchien zu erwachen, mühſam verbarg ſie ihre den innerſten Lebensnerv berührende Aufregung.
„Prinz Eugen,“ ſagte ſie mit gepreßter Stimme, „wird ſich auch die Hand einer Dame aus königlichem


