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„Sie betrachten das Meiſterwerk,“ begann er mit ſanfter Stimme,„das Ihre Hand geſchaffen hat— in der That, es wäre würdig, im Prachtſaale eines Königs zu prangen...“
Ghiraldine ſchlug Ihre ſchönen Augen empor, ſie fühlte die Bedeutung dieſer Worte und eine Purpur⸗ röthe trat auf ihre Wangen, der junge Oberſt ſchien ſie nicht zu bemerken.
„Man würde,“ fuhr er fort,„in einer ſolchen Gal⸗ lerie bald ein ſchönes Seitenſtück dazu finden— man hat es vielleicht ſchon gefunden,“ ſetzte er mit Betonung hinzu.
Er ſchwieg.— Auch Ghiraldinen's Lippen entfloh kein Laut; ſie blickte zur Erde, ein unmerkliches Zittern verrieth ihre innere Aufregung.
Jetzt zog der Oberſt eine kleine Mappe aus der Bruſttaſche und das Bild einer ſchönen jungen Dame aus derſelben.
„Glauben Sie wohl, mein Fräulein,“ ſagte er, „daß dieſes ſchönes Frauenbild ein würdiges Seitenſtück zu dem Bruſtbilde des Prinzen Eugen abgeben würde.“
Ghiraldina nahm das Bild entgegen.
„Herr Graf,“ ſagte ſie mit zitternder Stimme— „ich vermag den Sinn Ihrer Worte nicht zu deuten,
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