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Diener zur Kenntniß des Ganzen. Seine Anzeige bei der Behörde erfolgte im nächſten Augenblicke.“
„Und das Loos der Verſchworenen?“— fiel der Kaiſer ein,„man hat ſie wohl füſilirt?“
„Die Magnatentafel richtete über ſie,“ berichtete der Ungar,„in meinem Vaterlande iſt für den Hochver⸗ rath, deſſen man ſie beſchuldigte, das Schwert beſtimmt. Der 20. Mai des Jahres 1795 ſah ſie auf dem Schaf⸗ fote verbluten. Ich ſtand dabei, als ſie zum Tode gingen. Sigrai, den das Loos zuerſt traf, konnte ſich kaum auf⸗ recht halten, Szent Mariay ging ernſt und ruhig zum Tode, Laczkovicz ungeduldig und ausgelaſſen luſtig, Hai⸗ noczi beſprach ſich auf ſeinem letzten Gange mit dem Prieſter, der ihn zum Tode vorbereitete, über philoſophi⸗ ſche und religiöſe Gegenſtände und ſtarb mit ſtoiſchem Gleichmuthe, Martinovicz nahte ſich mit ſtolzer Hal⸗ tung nach einem Kuße auf das Kruzifir dem Blocke. Von den andern Verſchworenen erlitten noch zwei ſpä⸗ ter die Todesſtrafe, die übrigen eilf wurden zu lebenslan⸗ ger Kerkerſtrafe begnadigt, jedoch ſpäter nach zwölfoder zehnjähriger Haft freigelaſſen, noch Andere erlitten nur eine kurze Kerkerſtrafe.“
Der Ungar ſchwieg jetzt.
Kaiſer Napoleon ſaß nachdenkend da, ein feines Lä⸗ cheln ſpielte jetzt auf ſeinen Lippen.


