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„Helena aber ſank ohnmächtig zu Boden. Sie hatte,
kaum von der Gefangennehmung ihres Bräutigams un⸗ terrichtet, mit magyariſcher Gluth den Entſchluß gefaßt, dieſen zu retten,— denn die Liebe iſt kühn und wagt ja für den geliebten Gegenſtand Alles,— Karatſon den ſchwarzen Mann wollte Helena, die muthige Ungartoch⸗ ter, in ſeinem eigenen Lager aufſuchen, und— tödten; durch dieſe heroiſche That glaubte ſie dem Lande die Ruhe wieder zu geben und gleich einer Judith mitten durch die Rotten des heiligen Lagers mit Joſſu zu ent⸗ fliehen oder mit ihm zu ſterben.
„Aber die Liebe der tollkühnen Jungfrau hatte zu feſt auf ihr gutes Glück gebaut. Karatſon hatte ſie in ihrer Vermummung ſogleich erkannt, und nun lag ſie ſelbſt ein Opfer ihrer Vebe in der Gewalt des ſchwar⸗ zen Mannes; der Dolch, den ſie in ihren Kleidern ge⸗ borgen hatte, aber— in Karatſon's Hand.— Aber Gottes Hand wachte über ſie.—
„Als Helene ihre ſchönen Augen zum neuen Leben aufſchlug, lag ſie auf kühlen Raſen hingeſtreckt; ob ih⸗ rem Antlitze blickte die Friedensbläue des freundlichen Himmels durch das grüne Blätterdach einer himmel⸗ hohen Eiche herab, auf welcher die Sänger der Lüfte, unbekümmert um der Menſchen blutiges Treiben, ihrem Schöpfer einen tauſendſtimmigen Choral jubelten, und


