261
warf ſeinen matten Blick durch das Fenſter auf die ſcheidende Sonne;„Herr, bleibe bei mir,“ betete er, „denn es will Abend werden.“
„Was kündet dieß Geläute?“ fragte er dann leiſe den weinenden Magiſter.
„Meiſter!“ erwiederte dieſer, und ſeine Stimme brach unter dem Schmerze, der ſeine Bruſt durchzit⸗ terte;„Eure Brüder und Eure Schüler liegen vor dem Altar des Herrn, und flehen den Allbarmherzigen um Euer Leben an“...
„Ich habe ſie geliebt und gelehrt— ſo war es meine Pflicht“... lispelte der Leidende.—
Und die Glocken im Tempel des Herrn weinten, und weinten ihr Klagelied lauter und lauter her⸗ über—
Und der treue Freund des Leidenden weinte mit, und beide ſchwiegen— bittern Schmerz im Herzen... Und auch draußen auf den Gängen vor der Zelle des Leidenden ertönte leiſes Schluchzen..
Der Kranke erhob ſich wieder, und lauſchte.— „Freund,“ fragte er leiſe,„mich dünkt, ich höre Klage⸗ laute vor meiner Thüre?“...
Der kleine Magiſter erhob ſich, und ging hinaus.
Bald kehrte er wieder.„Es ſind die Armen der Stadt,“ berichtete er,„ſie weinen um ihren Vater!“...


