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ſeine Lippen drückte, während ſein Auge unwillkür⸗ lich von der traurigen krankhaften Geſtalt ſeiner Roſa auf das lebensfriſche Antlitz der holden Maria hin⸗ überglitt. Ein ſchmerzlicher Zug trat auf ſein Antlitz; Roſa hatte ihn bemerkt; ihr Auge war dem ſei⸗ nen gefolgt; ſie ſchauerte zuſammen, der Gedanke, den Einziggeliebten ihres Herzens in dem Augen⸗ blicke verloren zu haben, in welchem ſie ihn wieder⸗ gefunden hatte, trat mächtiger vor ihre Seele.
„Roſa, Du zitterſt, armes krankes Kind,“ ſagte Ottowaldsky, Roſa's eiskalte Hand in der ſeinen haltend.
Die bleiche Jungfrau lächelte unter Thränen, und ſchüttelte das Haupt.
Jetzt trat Maria näher;„Schweſterchen hat erſt geſtern das Krankenlager verlaſſen,“ ſagte ſie zu Ottowaldskh—„ich widerrieth ihr ernſtlich dieſen Ausgang, allein die Sehnſucht, Euch, Herr von Otto⸗ wald, zu ſehen, ließ ihr keine Ruhe mehr— und nun, arme Roſa, wirſt Du das Wagniß mit dem wiederkehrenden Schmerzenslager büßen.— O meine arme, arme, Schweſten!“
Das ſchöne Mädchen brach in Thränen aus. Ottowaldsky's Ange lag flammend auf dem in ſei⸗ nen Thränen noch einmal ſo ſchönen Mädchen— lautlos ſtarrte er vor ſich hin.


