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einzige Schreiben, das ihr ein polniſcher Fahnenjunker, der auf dem Marſche nach Prag kam, geheimnißovoll an der Thüre des Hauſes, wohin er ſie durch einen Diener des Hauſes beſcheiden ließ, überreicht hatte, und welches von Seite Ottowald's neue Verſiche⸗ rungen ſeiner unwandelbaren Treue, und die feſte Zuſage enthielt, daß er, der jetzt an den Ufern der Weichſel verweile, durch die Macht ſeines Degens ſich einen Weg bahnen wolle, der ihn zu hohen Ehren führen, und ihm ermöglichen werde, im Hauſe der Frau Polirena von Lobkowic als ebenbürtiger Freier um Roſa's Hand aufzutreten.—
Darum wies Roſa jede anderweitige Bewerbung zurück, und Frau Salome von Herberſtorf grollte mit der Spröden, deren Alter nun ſchon gewaltig gegen die Dreißig vorrückte, daß ſie den Zeitpunkt einer anſtändigen Verſorgung verſäumen würde— während die bei all' ihrer männlichen Feſtigkeit ſanfte und leidenſchaftsloſe Frau Polixena von Lobkowie dieſen Worten die einfache Bemerkung entgegenſetzte: „daß Roſa von Pernſtein vielleicht berufen ſei, eine viel glücklichere Braut des Himmels zu werden!“—
Ach, die gute Muhme las in dem Herzen der lieblichen Roſa und ahnte den Grund ihrer Weige⸗
rung gegen jede Verbindung—— das naſſe Auge
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