Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

Herrenhauſes vom Leben ſcheiden ſollte. Dann ſchritt die alte Ahnfrau im langen weißen Kleide, mit einem großen Schlüſſelbunde an der Lende durch die langen, finſteren Gänge der alten Schlöſſer Neu⸗ haus, Roſenberg, Wittingau, Krumau; beſonders häufig ſah man ſie in Neuhaus, daher ſie auch vor⸗ zugsweiſe dieweiße Frau von Neuhaus genannt wurde. In Wittingau beſteht im fürſtlich ſchwarzen⸗ bergiſchen Schloſſe noch jetzt ein langer Gang, deſſen dunkle Tiefe nach der Sage häufig von der weißen Frau beſucht wird. Kummervoll, aber unbeſchreiblich ſchön und rührend ſeien ihre Züge, hoch und ehr⸗ furchtgebietend ihre Statur und drohend ihre Miene, wenn ein Unberufener es wagt, im Zweifel an ihre geſpenſtige Weſenheit ihr entgegenzutreten und Scherz gegen ſie auszuüben; man fand, ſo erzählt die Sage weiter, mehrere muthige Männer, welche ihr entge⸗ gengetreten waren und ſie in ihrem ernſten Gange aufhalten wollten, bewußt- oder wohl gar leblos auf dem Boden hingeſtreckt; andere ſoll ſie für ihren Vorwitz mit Maulſchellen traktirt haben; es ſcheint alſo der guten alten Frau auch in ihrem Geiſterleben noch etwas Kantipenartiges anzukleben.

Eine der älteſten Sagen über das Erſcheinen dieſes Familiengeſpenſtes datirt ſich aus dem drei⸗