105 in Schleſien gebliebenen Ueberreſte teutſcher Spra⸗ che, Sitte und Verfaſſung, ward in der Folge der Uebergang der teutſchen Cultur auf Schleſien we⸗ ſentlich befoͤrdert; wogegen in Polen, Rußland und Boͤhmen der reine Charakter des Slaventhums, ohne urſpruͤngliche Beimiſchung und Beibehaltung teutſcher Sitten und Formen, vorherrſchte.
Der Name Schleſien ſelbſt wird, am wahr⸗ ſcheinlichſten, von dem jetzigen Zobtenberge ab⸗ geleitet, welcher im Mittelalter der Silenſerberg ge⸗ nannt, und auf deſſen Höhen von den Slaven eine ihrer Hauptgottheiten verehrt ward.
In den nachſten Jahrhunderten vor dem Zeit⸗ alter der Karolinger, wo die Slaven uͤber den Oſten Europa's ſich verbreitet, und des Beſitzes von Po⸗ len, Schleſien, Mähren, Bohmen, der Lauſitzen, vom Meißner Lande(damals Sorabia), Branden⸗ burg und Pommern ſich verſichert hatten, ſcheint Schleſien bald von Boͤhmen, bald von dem, nur kurze Zeit beſtehenden, großmaͤhriſchen Reiche abge⸗ hangen zu haben, bis, nach den beginnenden Käm⸗ pfen der Teutſchen mit den Slaven an der Elbe und im Lande zwiſchen der Elbe und Oder, von dem teutſchen Kaiſer Otto dem erſten das Bisthum Po⸗ ſen, als erſter Mittelpunct des in dieſe Laͤnder ge⸗ brachten Chriſtenthums, geſtiftet, und daſſelbe dem erzbiſchofflichen Stuhle zu Magdeburg unterworfen ward. Der von dem piaſtiſchen Regentenhauſe in Polen abſtammende ſchleſiſche Fuͤrſt Miſeco, wel⸗ chen Ditmar von Merſeburg als Herzog von Polen auffuͤhrt, trat im Jahre 965 zum Chriſtenthume, bei ſeiner Vermaͤhlung mit der Schweſter des boh⸗ miſchen Herzogs Boleslav. Aus dieſer Ehe ent⸗ ſproß der Herzog Boleslav, der Cracau uͤberwäl⸗


