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Stenia.(Ohne viel Vertrauen)— Oh, oh! oh? Weßhalb denn?
Fabius.— Höre an. Es handelte ſich darum aus dem Schatten der Vergangenheit in den Rahmen eines Romans oder vielleicht eines Drama's eine große, ſeit vielen Jahrhunderten vergeſſene Figur an das Tageslicht zu bringen, Aſterins von Cappadocien, den der heilige Athanaſius den Advokaten der Arianer nannte. Dieſer Mann war Rhetor unter Kaiſer Conſtantin, nämlich im vierten Jahrhundert, und verließ eines Tags ſein Ketzerthum um Chriſt zu werden, dann kehrte er zum Schisma zu⸗ rück, um zuletzt wieder zu Jeſus zurück zu kommen. In dieſen Wandlungen handelte er im erhabenen guten Glau⸗ ben. Nun, in meinen Augen ſind alle dieſe Ketzereien große Dinge und ihre Geſchichte kann nur von einem wahren Philoſophen behandelt werden. In deſſen Er⸗ wartung wollte ich bloß den Kampf des Aſterius mit dem Biſchof von Ancyra, Marcell... Ach, ich bin ein häßlicher Quälgeiſt, daß ich Dir dieſe Dinge vom Ende des pont des arts*) verkanfe!... Doch nun, meine liebe Stenia, umarme mich!
Stenia.—(die öfters leiſe für ſich wiederholt.) Ninette hat ihn doch auf dem Bonlevard geſehen!(und die nichts vernommen als ihre eigenen Gedanken). Und Sie haben bis jetzt gearbeitet, wenn Sie beim Anblick dieſes ſchönen Sonnenſcheins denken konnten und ſollten, daß ich Sie erwartete, um ein wenig auszugehen! Ach! quälen Sie Ihre Kenntniſſe nicht mehr um eine Lüge darein zu kleiden. Es hat heute außer der Ihrigen keine Ketzerei gegeben. Heute haben Sie mich getäuſcht. Schon ſeit heute frühe hatte ich dieſe Ahnung.
Fabins.— Welch bewundernswerthe Vorwände für
*) Dort befindet ſich die Akademie der Wiſſenſchaften und Künſte. Anm. d. Ueberſ.


