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hatte übrigens Beweis von dieſem Gefühle und dieſer Anſchauung durch Stenia's Wahl gegeben, deren Ver⸗ ehrung er ſich widmete.
Reden wir nun von der Schönheit ſeines Antlitzes, non der Feinheit ſeiner Hände, von ſeiner Anmuth z. 7 — Nein. Wir könnten Veranlaſſung geben, daß eine zu große Anzahl von Schönen grün vor Eiferſucht würde; was unſere Leſerinnen betrifft, ſo möge ihre Einbildungs⸗ kraft Fabius Bild nur ſchnell durch das ihres Geliebten erſetzen. Ich halte Ihren Geliebten, meine Damen für ſo ſchön und Ihrer ſo würdig, daß Fabius dadurch nur gewinnen kann.
Stenia war ſchön! aber ſchön um Raphael zu er⸗ wecken, um ſie ein Kind in den Armen abzubilden! ſo ſchön, doß wir wohrhaft toll ſein müßten, wenn wir davon einen entfernten Gedanken geben wollten!.. Und dennoch, oder Verſchwendung einer noch jungen Fe⸗ der, wollen wir es verſuchen.
Her nun zu uns, gewöhnliches Geräthe der Schil⸗ derungen vollkommener Weiber! her zu uns Alabaſter, Schmelz, Korallen, Azur, Ambra, Lilien, Seide, Sam⸗ met, Perlenmutter, Roſen und Opale! her zu uns über⸗ ladene Paletten der Romanmaler! Wir brauchen hier ein übermenſchliches Meiſterwerk, eine Schönheit ohne Nebenbuhler im Himmel wie auf der Erde, die uns alle Gymnaſiaſten zu Männern machen und allen Greiſen ihren letzten Athemzug entreißen könnte!
Doch jetzt, wo anfangen?
Nach dreitägiger Unterbrechung fanden wir, daß es klug ſei, auf die Schilderung von Stenias Schönheiten zu verzichten.
Und wir verzichten darauf.
Obwohl Stenia unbegreiflich ſchön war, war ſie nichtsdeſtoweniger aus einem alten edlen Hauſe, eine Sache, die ſeltener iſt, als man glaubt und wenig Be⸗
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