— Matroſe, antwortete ihm endlich der Flibuſtier, Deine Bitte iſt gerecht. Ich bewillige Dir zehn Minuten um einen Kahn ins Meer zu ſetzen.
Sogleich ſtürzte ſich die Mannſchaft auf die Barken; Laurent zuckte unmerklich mit den Schultern und ſah die Fli⸗ buſtier mit dem Ausdruck verachtungsvollen Mitleids an.
— Alle Menſchen müſſen wie kleine Kinder behandelt werden, murmelte er. Um ſie zu beherrſchen und zu leiten, braucht man ihnen nicht an Kraft und Verſtand überlegen zu ſein, man muß nur ihre Schwäche, ihre niedrigen Leiden⸗ ſchaften kennen.— Dumme Teufel! die mir gehorchen, weil ſie ſich fürchten, und die in ihrer Furcht vergeſſen, daß die Pulverkammer unter Waſſer ſteht, und daß es daher unmöglich geweſen wäre meine Drohung auszuführen!
Die Fregatte beſaß eine Schaluppe und zwei Kähne.
Die Mannſchaft dachte natürlich vor Allem an die Scha⸗ luppe, welche ſich zwiſchen dem großen Maſt und dem Beſans⸗ maſt befand; aber ach! kaum waren die Hißtaue einen halben Schuh hoch gezogen worden, als die Schaluppe in Stücke ging, denn ſie war durchwegs zerſchoſſen. Der am Steuerbord befind⸗ liche Kahn hatte nicht weniger gelitten, als die Schaluppe; von mehreren Kugeln getroffen war er ganz außer Stande be⸗ nützt zu werden. Dieſe Entdeckung ſchmetterte die Mannſchaft nieder. Dieſelben Menſchen, die ſich vor Kurzem noch weigerten einen letzten Rettungsverſuch zu machen, waren jetzt troſtlos darüber, daß ſie ihrem Schickſal nicht entgehen konnten.
Morvan eilte zu dem am Hintertheil des Schiffes befind⸗ lichen Kahne, der während des ganzen Kampfes mit den Spa⸗ niern außerhalb des Feuers geblieben und deshalb völlig unbe⸗ ſchädigt war. In weniger als fünf Minuten war dieſer Kahn mit einem Fäßchen Waſſer und einigem Mundvorrath belaſtet, und ins Meer geſetzt. Obſchon die Wuth der Wogen dieſem


