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Waldblume wußte jetzt, was Liebe ſei, ſeitdem ſie durch ein unüberſteigliches Hinderniß von Morvan getrennt war.
Den Kopf in eine ſchwere Mantille gehüllt, die ihre Ge— ſichtszüge nicht erkennen ließ, kniete eine Spanierin neben Wald— blume und ſchien den geringſten Bewegungen derſelben mit leb⸗ haftem Intereſſe zu folgen.
— Jeanne, ſagte die Unbekannte, ſich ihr nähernd, Du darfſt Dich nicht ſo dem Schmerz überlaſſen! Muth, meine Freun⸗ din! Der Ritter von Morvan iſt Deiner nicht würdig!
Bei dem Namen Morvan erbebte Waldblume.
— Wer biſt Du? ſagte ſie zu der verſchleierten Dame. Wie konnteſt Du errathen, was in meinem Herzen rorgeht?
— Ich bin Deine Freundin.
— Und Du kennſt meinen Ritter Louis?
— Ja, Jeanne, ich kenne ihn.
— Du liebſt ihn vielleicht auch?
— Armes Mädchen! ſagte die Verſchleierte mit dem Tone aufrichtigen Mitleids, an der Lebhaftigkeit, mit welcher Du dieſe Frage an mich richteſt, ſehe ich, wie heftig die Leidenſchaft ſei, welche Dich beherrſcht und wie grauſame Qualen Du erdul⸗ deſt.— Wollen wir aus der Kirche fortgehen? Es iſt eine Gottesläſterung, wenn wir hier von den menſchlichen Leiden⸗ ſchaften ſprechen.
— Ja, gehen wir hinaus, ſagte Jeanne; ich will wiſſen, wer Du biſt und woher Du meinen Ritter Louis kennſt.
Die Unbekannte erhob ſich und glitt, ihr Geſicht ſorgfältig verhüllend, ſchweigſam und leicht zwiſchen der Menge hindurch. Waldblume folgte ihr.
— Dieſes Weib muß jung ſein, dachte ſie, man merkt es an der Leichtigkeit ihrer Bewegungen und am Klang ihrer Stimme— welch ein anmuthiger Gang, weſche reizende Hal⸗
tung!— Bis zum heutigen Tage habe ich noch nicht die


