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muß einen Freund mit allen ſeinen Fehlern lieben können. Ent⸗ ſchuldige meine Heftigkeit, die Gewohnheit des Handelns und Befehlens hat mir eine andere Natur gegeben; es muß ſich al⸗ les vor meinem Willen beugen. Drehe Dir nicht ſo Deinen Schnurbart, fuhr der Boucanier mit Sanftmuth fort; Teufel! zwiſchen mir und Dir iſt keine Beleidigung möglich, und die Eigenliebe darf bei uns nicht exiſtiren.— Louis, laß mich vor— angehen, ſage ich Dir! Wenn man mich tödtet, nun gut, ſo wirſt Du mich rächen!
Legoff verſicherte ſich ſodann, ob ſeine Piſtolen, die er mit einem Strick an ſeinem Leib befeſtigt hatte, in gutem Zu⸗ ſtand ſeien, drückte ſeinem Neffen zum letzten Mal die Hand, nahm ſeinen Dolch zwiſchen die Zähne, und verſchwand durch das abgefeilte Gitter in den äußern Raum; Morvan beeilte ſich ihm zu folgen. In dieſem Augenblick erdröhnte ein mächtiger Donnerſchlag, und das Gewitter, das lange gedroht hatte, brach aus.
Montbars und Morvan vernahmen den Ausbruch des Gewitters mit Freude; die Wuth der Natur müßte ſie, dachten ſie, vor dem Verrath der Menſchen ſichern. Es war auch in der That nicht wahrſcheinlich, daß man ihre Flucht bei ſolchem Wetter erwartet hätte. Obſchön der Kerkermeiſter ihnen mit den feierlichſten Eiden betheuert hatte, daß er die unter ihrem Fenſter poſtirte Wache entfernt habe, ſo glaubten die Flücht⸗ linge dem Elenden, deſſen Doppelzüngigkeit ſie kannten, den⸗ noch kein Wort; und als Morvan dem Erdboden nahe zu ſein glaubte, hielt er einen Augenblick inne, um den Dolch zu er⸗ faſſen, den er zwiſchen ſeinen Zähnen hatte. Unglücklicher Weiſe brachte ein wüthender Windſtoß die Leiter ins Schwan⸗ ken, und der Boucanier ließ, indem er ſich, um nicht das Gleich⸗ gewicht zu verlieren, mit beiden Händen feſt hielt, den Dolch fallen. Fürchtend, daß der Fall ſeiner Waffe Aufmerkſamkeit


