Kaum zu St. Germain angelangt, ging Herr Martin durch die Straße, wo Madame De⸗ latre in No. 60. wohnte. Dieſe Dame ſaß in ei⸗ nem großen Lehnſtuhl, den ſie vollkommen ausfullte, dicht am Fenſter, und ſtrickte mit vornehmer Miene einen Strumpf. Fuͤr die beiden luftigen Niecen iſt dieſe Tante ehrbar genug, dachte Herr Martin. Es thut mir leid, ihr Vergnuͤgen geſtört zu haben, aber ich konnte es nicht laͤnger in dem Wagen aus⸗ halten, und beide werden ſich morgen ſchon dafuͤr
ſchadlos halten. Heute werden es dieſe Damen bei einem Spaziergange in den Tuillerien bewenden laſſen, die Maͤnner glauben es, ſie nehmen dort et⸗ was Milch zu ſich, ſpeiſen vielleicht— da habe ich einen herrlichen Einfall! Ich bin kein Gourmand, aber doch Ltebhaber von einem guten kraͤftigen Tiſch und Dubourg iſt der elendeſte aller Speiſewirthe; wie, wenn ich hier eine Kochinn fuͤr uns miethete und mitnaͤhme? Wo aber eine ſolche ſinden? beim Gaſt⸗ wirth, wo wir geſchlafen haben, als wir vor kurzer Zeit die Füͤrſtinn belauern wollten? nein! denn wenn der Wirth eine gute Koͤchinn wuͤßte, wurde er ſie nehmen, er fuͤhet herzlich ſchlechten Tiſch. Daß ich nicht fruher daran dachte! Habe ich nicht hier
eine Tante entdeckt, die mir zur Erreichung meines
Zweckes die beſten Dienſte leiſten kann?


