viel von Kirſchwaſſer geſprochen hatten, nahmen wir unſer gemeinſchaftliches Mittagsbrot ein; ich ſah es Antoinetten an den Augen an, daß ſie vor Begierde brannte, der gan⸗ zen kleinen Anſiedlung die Geſchichte ihrer Reiſe zu erzäh⸗ len, aber als wohlerzogenes Mädchen wartete ſie erſt das Ende des Mahles ab, bevor ſie uns mit ſich zu beſchäftigen wagte. Kaum war der letzte Tropfen von Honigmeth hin⸗ abgetrunken, da erhob ſie ſich und bat mich um die Erlaub⸗ niß zu ſprechen; ſie wußte wohl, daß ich ihr dieſelbe nicht abſchlagen würde; erzählen iſt ja ganz etwas Anderes als umarmen.
Ihre Zuhörerſchaft reihte ſich um ſie herum, Anton näherte ſich auf eine Art und Weiſe, welche uns glauben machen konnte, er wolle in die Seitentaſche ihres Kleides hineingreifen; er wollte, wie er ſagte, auch nicht eines ihrer Worte verlieren. Ihre Ellbogen und Knice berühr⸗ ten ſich, und der junge Minn hatte gut hörenz ich ließ mir
Platz machen und ſetzte mich zwiſchen Beide, es war das
einzige Mittel zu verhindern, daß die Rednerin den Faden ihrer Erzählung nicht verliere, und ein Vater ſieht ja ſeine Tochter ſo gern glänzen. Die meinige hatte einen wirk⸗ lich fabelhaften Erfolg; ich hatte es erwartet, faſt alle Zu⸗ hörer waren bereit ſie zu bewundern. Aber Freund André, als feiner Kenner, erklärte dies erſte Auftreten Antoinettens für lebhaft, gedrängt und rein; er lobte die Richtigkeit ihrer Beobachtungen, und der Vergleich, welchen ſie zwiſchen deutſchen Knechten und freien Schweizern machte, ſchien ihm von der geſundeſten Philoſophie eingegeben zu ſein.


