— 21—
doch gebahnt, er mußte endlich doch einmal zu einer be⸗ wohnten Stelle führen. Sowohl geiſtig als auch körper⸗ lich auf's Aeußerſte abgeſpannt, waren wir voll Ungeduld,
nur wieder einmal Menſchen zu ſehen; wir fühlten auf's
Lebhafteſte das Bedürfniß irgend einer Unterſtützung. In ſolchen Lagen ſieht man ein, wie ſehr der Menſch im Na⸗ turzuſtande unglücklich geweſen ſein muß, und wie ſehr unſere Urahnen wohl daran gethan haben, ſich zu geſell⸗ ſchaftlichen Verbindungen zu vereinigen. Der gegenwär⸗
tige geſellſchaftliche Zuſtand bietet ohne Zweifel ſchwere
Mißſtände dar, aber es iſt doch eine zu ſchreckliche Sache um eine vollkommene Vereinzelung.
Marianne war bis jetzt ganz ſtillſchweigend geblieben, aber nun ſtieß ſie mit einem Male einen Ruf aus, welchen wir Alle wiederholten:„Ein Dach! Ein Dach!“ Wir konn⸗ ten freilich bis jetzt noch Nichts als den Rauch ſehen, aber es mußte ſich unzweifelhaft in der Nähe eine Sennhütte oder irgend eine andere Hütte erheben.
Wir begannen wieder einmal frei aufzuathmen, um⸗ armten uns Alle wie Unglückliche, welche ſoeben dem Schiffbruche entgangen ſind, und unſere Kräfte lebten wieder auf; wir gingen unaufhaltſam immer weiter, bald aber wurden unſere Meinungen getheilt.„Es iſt Nebel,“ ſagte der Eine,„es iſt Rauch,“ ſagte der Andere,„es iſt eine Wolke,“ fügte ein Dritter hinzu. So glaubt der ver⸗ irrte Schiffer ſchon den ſicheren Hafen zu erreichen, und kann noch gegen eine Klippe zerſchellenz der Hintergrund


