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niemals zu vergeſſen, daß dieſe Sünde in dem Munde eines guten Katholiken eine Unwürdigkeit ſei, daß ein ſolcher, wenn es ſein müßte, lieber für den Glauben ſterben, als ihn durch eine Lüge verrathen wollen müſſe.
„Nach allen dieſen Betrachtungen, Empfehlungen und Ermahnungen, welche ich ſehr leicht hätte entbehren kön⸗ nen, nahm ich fröhlich meine Schriften mit mir und lief in die Werkſtätten der Buchdrucker. Der eine hatte gerade ein Manifeſt des Königs gegen Calvin und ſeine Anhänger, ſo wie eine politiſche und anti⸗katholiſche Schrift von Du⸗ pleſſis⸗Mornay unter der Preſſe; ein zweiter zog gerade die Geſchichte von zwanzig oder dreißig neuen Wundern, welche eigens gethan worden waren, um die Ungläubi⸗ gen zu vernichten, und die Gedichte des Ketzers Buchanan ab; ein dritter druckte den Erlaß Monſeigneurs des Erz⸗ viſchofs, durch welchen verboten wird, während der nächſten Faſtenzeit Butter und Eier zu eſſen, was ein ſicheres Mittel für die Katholiken iſt, die Hugenotten zu beſiegen. Neben der Preſſe, welche unter dieſem Erlaſſe ächzte, ſah ich eine andere, mit welcher man ſoeben eine neue Auflage von den Werken Theodors von Beza druckte. Ich ſchloß aus alle Dem, daß die Genehmigung der Sorbonne nur eine reine Formſache ſei, die einzig und allein darauf hinziele, Rechte aufrecht zu erhalten, deren Urſprung ſich in der Nacht der Zeiten verliert und welche ſie vielleicht niemals, außer unter Franz dem Erſten, ohne Widerſpruch ausgeübt hat. Weiter ſchloß ich noch daraus, daß die Buchdrucker Spitz⸗
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