züge, und danke ihr die Ltebe und Sorge für mein theures unglückliches Weib, gleichviel, aus welcher Quelle ſie fließen mag.
Und ſo iſt mein Tagewerk vollendet. Mit Scheu, aber dennoch mit Zuverſicht nahe ich mich dem Throne des allſehenden Richters. Unendlich iſt un⸗ ſere Schwäche, aber auch ſeine Güte iſt unendlich. Und wenn auf der richtenden Wage die ſchimmernd⸗ ſten Tugenden in nichtigen Staub zerflattern, und ſo mancher geheime Gedanke in ſchreckender Blöße vor uns ſtehen, und wider mich zeugen wird: dann flüchtet der zagende Sohn des Staubes zu dem erbarmenden Vaterherzen; denn von dem Blute, das auf Golgatha ſtrömte, ſloß auch ein Tropfen zur Entſühnung für mich. Das iſt unſer Erbtheil, wir ſind Erlöſte!
Nun lebe wohl, theurer Phocion! Wenn Du dieſe Tafel in Deiner Hand halten wirſt, ruht meine Hülle längſt im Schooße der Erde, und die Verweſung verzehrt die Geſtalt, unter welcher Dein Freund, Dein Schüler, Dir erſchien. Aber, er ſtirbt Dir nicht! Auch jenſeits wird ihn Dein An⸗ denken begleiten, und der Dank für ſo manche mir geweihte Stunde, ſo manche Lehre, und ſo
manches wirkſamere Beyſpiel wird in jener Welt vielleicht noch reiner und ſtärker gegen Dich ent⸗


