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in dem Augenblicke, da das Loos fallen muß, da wir in die ſchickſalsvolle Urne greifen, entſetzt ſich das Herz, die feſteſten Entſchlüſſe wanken noch ein Mahl, zum letzten Mahl; und ſo drückend uns die Ungewißheit dünkte, ſo heftig ergreifen wir jeden Augenblick, der ſie zu verlängern im Stande iſt. Die Nacht iſt da. Calpurnia, die jeden Tag mit der Dämmerung kommt, iſt bereits wieder fort. Conſtantin kann jeden Augenblick kommen. Dann iſt alles unwiderruflich geſchehen! Dann iſt mein Stab gebrochen!
Bey der Gewißheit, daß ich ihn in meinem Le⸗ ben nicht mehr ſehen werde, habe ich geſtern und heut das einzige Glück, das mir übrigt, mit Geiz genoſſen. Sein Zimmer zu betreten wagte ich nicht mehr, ſeitdem Calpurniens erſter Beſuch mich dar⸗ aus vertrieb. Tabitha hat ſeine Pflege übernom⸗ men, ich beſorge dafür ihre Kranken; aber im Re⸗ benzimmer halte ich mich auf, ſo viel ich kann. Da höre ich ihn athmen, reden, ſeufzen— ach, für wen? Es iſt eine ſchmerzliche Freude; aber es iſt meine einzige, meine letzte! Bald werde ich auch ihr entſagen müſſen. Dann wird ſeine Stimme nie wieder tauſend ſüße Gefühle und Erinne⸗ rungen in meiner Bruſt wecken, dann werde ich


