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Du dieſen Brief leſen wirſt, und die Bemerkun⸗ gen hören, die Du darüber machſt. Abenteuer, tra⸗ giſche und zärtliche Scenen, Schrecken, Verwun⸗ dungen, Verkleidungen— kurz alles, was ein Mileſiſches Mährchen anziehend machen kann, habe ich Dir heut zu berichten; und ich hoffe, es wird Dir im Leſen wenigſtens die Hälfte von dem Schre⸗ cken und dem Vergnügen machen, das es mir in der Wirklichkeit verurſachte. Schon lange hätte es
ein hohes Intereſſe für mich gehabt, ein kleines
Abenteuer zu erfahren; mein Leben floß in gar zu gewöhnlicher Alltäglichkeit hin. Nun haben die Göt⸗ ter und meine Laune mir eines beſchert, und Du ſollſt alles getreulich hören.
Vorgeſtern war ein trüber unruhiger Tag für Nikomedien. Es galt eigentlich nur den Chriſten, deren Tempel auf kaiſerlichen Befehl zerſtört wur⸗ den, um einmahl ihrem Unweſen ein Ende zu ma⸗ chen; aber die ganze Stadt fühlte die Wirkungen dieſes Schlages. Allenthalben ſielen bald tolle, bald blutige Auftritte vor, und es verging keine Stun⸗ de, wo man nicht meinem Vater irgend ein Ver⸗ brechen oder einen Unglücksfall zu berichten kam. Mir war recht unheimlich zu Muthe. Wäre ich ei⸗ ne Schwärmerinn, ſo würde ich dieß Gefühl für Ahnung ausgelegt habenz ſo aber ſehe ich ſehr deut⸗


