Ein und dreyßigſter Brief.
Theophania an Junia Marcella. Nicäa im Jänner 303.
Auch in den trübſten Stunden meines Lebens war es mein eifrigſtes Beſtreben, mein Herz mit 3 den Fügungen der Vorſicht zufrieden zu ſprechen⸗ und mich ihnen unbedingt in Allem zu unterwer⸗ fen. So erhielt ich mir mitten unter Trübſalen den heiligen Frieden, den unſer göttlicher Lehrer ſeinen Jüngern als das ſchönſte Geſchenk hinter⸗ ließ. Bisher hatte ich es immer vermocht; denn bisher hatte ich meine Leiden als unmittelbare Schickungen Gottes betrachten können, ich hatte noch nicht durch die Bosheit der Menſchen ge⸗ litten. Jetzt, wo dieſe neue Art von Bedräng⸗ niß über mich kommt, und mir das letzte Gut⸗ was ich auf Erden beſitze, meine Verborgen⸗ heit und meinen unbeſcholtenen Ruf zu rauben droht, jetzt empört ſich mein Herz in wilden


