Blick, doch nicht ohne freundliche Güte, ſchien mein Innerſtes durchſchauen zu wollen; übrigens nahm er mich ſehr anſtändig auf. Der Biſchof wurde ab⸗ gerufen. Conſtantin blieb mit mir allein. Er ſprach wenig, aber gut. Du weißt, ich bin nie ſehr geſprä⸗ chig, am wenigſten mit Höheren; doch ſelbſt das We⸗ nige, was zwiſchen uns geredet wurde, reichte hin, uns einander achtungswerth und bekannter zu ma⸗ chen, als man es ſonſt gewöhnlich in der erſten Un⸗ terredung wird. Als der Biſchof zurückkam, fand er uns in einem Geſpräch über Gegenſtände, die in der jetzigen Zeit jedem wichtig ſeyn müſſen, der nicht bloß für den Augenblick lebt. Conſtantins Unter⸗ haltung ſtraft den erſten Eindruck, den ſeine Ge⸗ ſtalt macht, nicht Lügen; ſie hält mehr, als jener verſpricht.
Wir haben uns ſeitdem öfters geſehen, und wer⸗ den es künftig noch mehr; denn er iſt von ſeinem Vater dem Schutze und Befehl des Cäſars Gale⸗ rius übergeben, und wir werden den Feldzug zu⸗ ſammen machen. Dieſe Ausſicht iſt ein Reiz mehr für mich, Nikomedien, ſeine Muße und ſeine Ver⸗ hältniſſe bald zu verlaſſen. Ich ſtehe mit einem tief verwundeten Herzen ſeltſam unter Menſchen, die eine ſolche gänzliche Umſtaltung des Innern für Schwärmerey halten, und nicht begreifen können,


