Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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ßen ließe. Vergiß aber nicht für meine und Deine Erwartungen, und für das künftige Glück unſers Freundes, daß die Wunde ſeines Herzens noch friſch und durch die Art des Verluſts ſeiner Geliebten wirklich ſchrecklich iſt! Zudem iſt er einer von je⸗ nen beneidenswerthen Schwärmern, die ſich mit einem ſeligen Wiederſehen nach dem Tode ſchmei⸗ cheln können. Für ihn iſt ſeine Lariſſa nicht todt; ſte iſt nur vorangegangen, und ſo muß er ihr wohl die Treue bewahren. Doch ungeachtet dieſer und mancher andern Schwärmereyen, die er mir aus den Lehrſätzen der Chriſten genommen zu haben ſcheint, laß nur einige Zeit verfließen, bis die Neuheit des Eindrucks ſich verliert, laß die Reize Deines ange⸗ nehmen Umganges ſeinen Verſtand beſchäftigen, ſein Gemüth erheitern, laß ihn den Zauber Deiner Schönheit empfinden und die Liebe zu einem lee⸗ ren Schattenbilde wird der Gegenwart weichen!

Tiridates bringt Dir dieſen Brief. Erfreut ſich ſehr, Dich wieder zu ſehen, ſo ſehr, daß, wäreſt Du weniger, was Du biſt ich beynahe beſorgt ſeyn müßte.

Er hat mir verſprochen, Dich und Deinen Vater zu bereden, daß ihr mit ihm zu mir herauskommen ſollt; und ſo erwarte ich denn in wenigen Tagen das allein ungetrübte Glück der Freundſchaft in

Deinen Armen zu genießen. Leb wohl!