Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

v

das mnſchlicht Herz biraiſchenen, über dem der Unglückliche verzweifeln müßte, wenn es ſeinen Anhängern gelingen könnte, es zu beweiſen! Was wäre die Unſterblichkeit dann für ein Vorrecht für das denkende Weſen? Würde ſie es nicht mit dem Thiere, der Pflanze theilen, deren aufgelöſete Kör per auch nicht vernichtet, ſondern nach dem Gange der Natur in urſprüngliche Elemente zerſetzt wer⸗ den, bis ſie endlich nach längerer oder kürzerer Zeit wieder in organiſche Theile einer Pflanze oder eines Thieres übergehen? Es iſt unmöglich! So kann der Kreislauf des göttlichen Funkens in uns nicht ſeyn!

Auch hierüber hat das Chriſtenthum einen erhe⸗ benden ſchönen Glauben, der alle Spitzfindigkeiten und Sophismen beſchämt. Doch hierüber ſollſt Du ein anderes Mahl mehr hören. Genug, ſie lebt, ſie weiß um mich, ſie liebt mich, wenn gleich hiernieden

ihre ſanfte Stimme verklungen iſt, und nie wieder

in den kalten leeren Räumen mir die holde Geſtalt begegnet, nie wieder ihr ſeelenvolles Auge mir freundlich ſtrahlen, und kein Herz auf dieſer Erde mir das ihrige erſetzen wird. O Phocion! Ich wer⸗ de ſie niemahls, niemahls hier wieder ſehen! In dieſem Gedanken liegt ein unendlicher Schmerz aber bevor er wieder die innerſte Tiefe meines We⸗ ſens aufregt, laß mich abbrechen! Leb wohl!

*

2