dem dieſe Hülle zu eng, dem dieſe Erde nur eine Herberge iſt. Das haben unſere Philoſophen ſchon geſagt; auch der Chriſt ſagt es, nur unendlich ein⸗ facher.
Aber bey der Schwäche unſeres halb ſinnlich⸗ halb geiſtigen Weſens, das, zwey Welten angehö⸗ rig, ewig zwiſchen beyden ſchwankt, was bliebe uns für Hoffnung übrig, den hohen Befehlen gehorchen, und das Ideal erreichen zu können, das jene Lehren von uns fordern? Müßten wir nicht daran verzwei⸗ feln, den ſtrengen Geſetzen genug zu thun? Hier könnte das Gewiſſen uns nicht beruhigen, dort wür⸗ de ein unendlich heiliges Weſen den ſchwachen Sohn der Sinnlichkeit ſtrafend von ſich weiſen. Aber lie⸗ bend und erbarmend tritt die geheimnißvolle Lehre von der Verſöhnung, von einem unbefleckten, heili⸗ gen, der ganzen S Strenge jener Forderungen genug⸗ thuenden Opfer dazwiſchen, von einem Opfer, das, die Schuld des ganzen Menſchengeſchlechts auf ſich nehmend, freywillig ſich der göttlichen Gerechtigkeit darboth, und für alle litt, blutete, ſtarb. In ſeinen Verdienſten ſindet der ſchwache Menſch vollenden⸗ den Erſatz für ſeine unvollkommenen Beſtrebungen; ſie eignet er ſich zu, und durch ihre Vermittelung darf er dem Throne des allerreinſten Weſens mit minderer Schüchternheit nahen.
Agath. II. TDh. 2


