ſchieden iſt, ſehr awünſcht nicht als ob ich eine ſo geringe Meinung von Agathokles Feſtigkeit hät⸗ te, um zu glauben, daß Dein bloßer Anblick hin⸗ reichen würde, dieſe tiefen Wunden ſchnell zu hei⸗ len; aber ich hoffe viel, und mit der Zeit alles von Deinem heitern Sinn, von Deiner freundlichen Güte, von Deinem Verſtande, und von Deiner Schönheit. Wie empfindlich das ſtarke Geſchlecht gegen äußerliche Reize iſt, lerne ich immer mehr und mehr einſehen; es wirkt nichts ſo ſchnell, ſo ſtark, ſo bleibend auf ſie, und auch die Beſten ſind hierin bis zum Erſtaunen ſchwach.
Nikomedien wird Dir gefallen. Es herrſcht hier ein geſelliger Ton, man liebt Pracht und Zer⸗ ſtreuung, aber man liebt es mit Geſchmack und ziemlichen Anſtand. Dieß ſcheint eine Wirkung des eeremoniöſen Hofes und der Denkart der beyden Kaiſerinnen zu ſeyn, die in ihren Grundſätzen ſehr ſtreng, und, wie manche glauben, heimliche Chri⸗ ſtinnen ſeyn ſollen. Genug, der Schein wird ge⸗ rettet, aber im Innern der Häuſer hat eine über⸗ mäßige üppigkeit nicht allein auf den Genuß des Lebens, ſondern auch auf die Sitten unſers Ge⸗ ſchlechts einen nachtheiligen Einfluß. Die Weiber des Hofes und der Stadt ſind faſt alle locker in iyren Grundſätzen und von zweydeutigem Rufe;


