Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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Acht und ſechzigſter Brief.

Die Gräfinn Juliane von Kelm an Madame Hortenſe Deſensay.

*** den 20. Februar 1799.

Seit zehn Monathen bin ich vermählt, und dieß iſt der erſte Brief, den ich an meine einzige Freun⸗ dinn in der Welt ſchreibe. Hortenſe! Sie kennen mich, ich bin nicht fähig zu vergeſſen, wen ich einſt iebte; und daß mein Glück, daß meine Freuden mich vicht zerſtreuen konnten, dafür wird ihnen die Art, wie meine Verbindung mit dem Grafen ge⸗ ſchloſſen wurde, Bürge ſeyn. Ich war ſehr un⸗ glücklich. Difſe bodenloſe Tiefe des häuslichen Elends hatte ich mir bey allen düſtern Vorſtellun⸗ gen davon doch nicht gedacht. Ich war auf dem Punete, mich ſcheiden zu laſſen; ich hätte es auch gethan, wenn nicht eine wohl überlegte Nachgiebig⸗ keit von Seite des Grafen Kelm noch eben zur rech⸗