Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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deſſen, was ich von Leonoren erfahren habe, war

es meinem kraftloſen Herzen nicht möglich, ſich ganz von ihr zu reißen. Immer noch hoffte es, immer noch ſchwebte ihm die Möglichkeit einer Verände⸗ rung täuſchend vor, und was ich dir auch von mei⸗ nen Entſchlüſſen, ſie aufzugeben, ſchrieb, es war nicht wahr; ich hoffte, das Feuer würde nicht bren⸗

nen, die Nacht nicht finſter ſeyn. Es war unmög⸗ lich, ſo was auch nur zu denken; meine Seele dach⸗

te es doch, und hing mit Macht an dieſen Hoffnun⸗ gen. Nun iſt aber auch der letzte matte Schein ver⸗ ſchwunden. O Ludwig! Ich ſchreibe mit blutendem Herzen: Leonorens Gemüth iſt vergiftet, ſie iſt falſch, ſie iſt buhleriſch; und nun iſt der letzte Faden zwi⸗ ſchen ihr und mir zerriſſen.

Ich will verſuchen, ob ich meine Gedanken ſam⸗ meln, und in das Chaos, das ich dir geſchrieben habe, Ordnung bringen kann. Ich kam dieſen Nach⸗ mittag von P'*g zurück, wo ich meinen lieben Carl beynahe ganz hergeſtellt in den Armen ſeiner neu⸗ beglückten Familie verließ. Voll von ſüßen Bildern ehelichen und häuslichen Glückes lange ich an, klei⸗ de mich ſchnell um, und eile zu Schöndorf. Leono⸗ re empfing mich mit lebhafter Freude, mit füßer zutraulicher Zärtlichkeit.

Die Falſche! So war ſie lange nicht mit mir

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