22 hatte mich dermaßen in meine Arbeit vertieft, daß ich die Stunde daruber verhoͤrte.“—„Guten Tag, Victorine,“ erwiederte Madame Duͤbro⸗ card in einem ſehr gleichguͤltigen Tone;„es iſt gut, daß Du koͤmmſt, denn wir wollen eben zu Tafel gehen.“ Das Maͤdchen nahm jezt ihren Huth ab, und Georg konnte ſie nun noch genauer, wie vorher, betrachten; er fand, daß ſie, wenn auch nicht ſchoͤner, doch viel lie⸗ benswuͤrdiger wie Mademoiſelle Alphonſine war.
Man trat nunmehr den Ruͤckweg an; das Maͤdchen ging der Geſellſchaft etwas voraus und Madame Duͤbrocard erzaͤhlte jezt den An⸗ dern mit vieler Ausfuͤhrlichkeit, daß Victorine die Tochter von einer ihrer Schweſtern und etne arme Waiſe ſey, die ſie dermalen aus chriſtlicher Milde erzogen; dann ſezte ſie noch hinzu, daß Victorine oͤfters des Morgens, unter Aufſicht einer alten Gouvernante, ausginge, um im Freien irgend eine huͤbſche Gegend zu zeich⸗ nen. Dauvert ergoß ſich in große Lobſpruͤche uͤber das milde Herz der Madame Duͤbrocard; Georg ſagte nichts, dachte aber bei ſich im Stillen, indem er dem Maͤdchen mit einem


