166
flammten Leidenſchaft willenlos und unwiderſtehlich zu dem Abgrund des Verderbens fortgeriſſen.
Sie richtete ſich ſchwankend empor. Ruhe, ihre wirren Gedanken zu ordnen, war das Bedürfniß, wel⸗ ches ſich bei ihr vor allem Andern geltend machte doch
gerade die Erfüllung dieſes dringenden Verlangens ſollte
ihr verſagt werden. Mit dem erſten Augenaufſchlag fand ſie ſich dem mittlerweile mit faſt unhörbaren Schritten eingetretenen Jeſuiten gegenüber.
„Sie hier? Sie haben gelauſcht?“ Das Erſcheinen auch der Duenna unter dem von derſelben halb zurück geſchlagenen Vorhange ſagte ihr Alles.„Verloren!“
murmelten ihre Lippen.„Alles verloren!“ Wie eine
Träumende hatte ſie ſich zu dem nächſten Seſſel gewen⸗ det und außer Stande, ſich länger aufrecht zu erhalten, ſchwer in denſelben niederſinken laſſen.
Die Duenna war ihr beigeſprungen, und ſie ließ es geſchehen, daß dieſelbe ſich um ſie beſchäftigte, doch
vernahm ſie augenſcheinlich von deren Schmeichelreden und
Fragen nicht das Geringſte, ihre Augen waren ſtarr und gläſern auf den Pater gerichtet, der nicht ein Glied zu ihrem Beiſtande gerührt hatte und, die Arme über der Bruſt gekreuzt, ſie kalt und überlegen mit ſeinen Blicken beherrſchte.
„Ich habe Alles gehört“, hob er an, und es klang
—


