68 weit deutlicher, weit vollſtändiger und weit umfaſſen⸗ der. Selbſt der Unterricht Jeſu und ſeiner Apoſtel zeigt uns das, was Gott iſt, was Er uns iſt, in einem weit hellern Lichte, als die Moſaiſche Religion dieß zu thun vermoͤgend war. Sammelt man alle die Begriffe, welche wir durch Vernunft und Offen⸗ bahrung von Gott, ſeinem Weſen und ſeinen Eigen⸗ ſchaften uns zu verſchaffen fähig ſind, und bemerken wir dabey, wie wenig wir demohnerachtet dieſen groſ⸗ ſen Gegenſtand ganz zu erforſchen vermoͤgen, ſo muͤſ— ſen wir allerdings mit dem Apoſtel Paulus ausrufen: O welch eine Tiefe des Reichthums, beyde der Weis⸗ beit und Erkenntniß Gottes! Wer iſt faͤhig, ihn ganz zu erkennen? ſeine Regierung zu begreifen? ſein Verfahren zu erforſchen? Wer ergruͤndet ſein We⸗ ſen? Wer unterſtutzt ihn mit Rachſchlägen? Wer hat um ihn Verdienſte, daß ihm Vergeltung gebuͤh⸗ re? Alles kommt von ihm her, von ihm allein.
Sollte man indeſſen nicht glauben, daß es bey ſo vielen Huͤlfsmitteln dem Menſchen leicht werden muͤßte, uͤber Gott nachzudenken, und ſich dadurch richtige Begriffe, ſo weit die menſchliche Vernunft ſolche zu faſſen vermoͤgend iſt, von ihm zu verſchaf⸗ fen? Und gleichwohl wie wenig Menſchen haben eine richtige Kenntniß von demjenigen, was ſie ſich unter Gott denken! Wie unrichtig beurtheilen ſie die Verhaͤltniſſe, in welchen ſie mit ihm ſtehen, und die Pflichten, die aus dieſen Verhaltniſſen herfließen! Dieſe mangelhafte Kenntniß, dieſes falſche Urtheil, woher
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