Teil eines Werkes 
Zweyte Abtheilung (1798)
Entstehung
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Leiden und Truͤbſale hierzu nutzen wollt? Ich will mich nicht weitlaͤuftig bey jenen herrlichen Tugenden aufhalten, deren Saame nicht anders gedeiht und Fruͤchte traͤgt, als durch Erduldung der Leiden und Truͤbſale. Jene Tugenden des Gehorſams gegen Gott, der Geduld, der Sanftmuth, der Unterwer⸗ fung unter ſeinen Willen, des Vertrauens zu ihm, der Demuth, der Beſcheidenheit, der Mäßigkeit, der Zufriedenheit, des Mitleids, der wahren Vohl⸗ thätigkeit, ſind ſo genau, ſo feſt mit Leiden und Truͤbſalen verbunden, daß nicht leicht ein vernuͤnf⸗ tiger Menſch leugnen wird, nur durch Erduldung der letztern koͤnne es der Chriſt in den erſtern zu einem gewiſſen Grad der Vollkommenheit bringen. Ich will euch vielmehr auf einige Tugenden aufmerkſam machen, an deren Uebung und Vervollkommnung, Lei⸗ den und Truͤbſale den Chriſten zu hindern, oder we⸗ nigſtens ſie nicht zu befoͤrdern ſcheinen.

Liebe zu Gott iſt die erſte, die reinſte Quelle aller eurer andern Tugenden. Wollt ihr euch in dieſer erſten und vornehmſten aller chriſtlichen Tugenden uͤben, wollt ihr es darinnen immer hoͤher und hoͤher bringen, ſo muͤßt ihr dulden, ſo muͤßt ihr leiden, ſonſt werdet ihr nie lernen, was das heißt: Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieben. Aber wie? fragt euer thoͤrichtes Herz, wuͤrde ich denn Gott nicht ſtärker lieben, wenn er wohlthätig mir nur heitere Tage dieſes Lebens zugetheilt hätte? Thor, der du dieß fragſt, weißt du wohl, was dieß heißt:

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